Donnerstag, 29. August 2019

Schützenfestlogbuch 2019


Das Neusser Bürger Schützenfest 2019 steht an und wir Nordlichter dürfen dieses Jahr zum neunten Mal - Quirinusjahr! - den Maat erop. Im Laufe der nächsten Wochen haben wir sieben fleißige Schreiberlinge auserkoren, die jeweils über einen Tag des Festes einen Logbuch-Eintrag erstellen werden, sodass wir am Ende des Schützenfestes sieben wunderschöne Berichte veröffentlichen können, um so auch die Perspektive der Schützen einmal ausgiebig darzustellen. Natürlich werden wir auch die Einträge ins "Logbuch des Captains" beibehalten!

Wir hoffen einige schöne Anekdötchen zusammentragen zu können, um so eine schöne Erinnerung für uns und einen Einblick für den Leser erstellen zu können. 

Die Berichte werden an diesen Beitrag angehangen, sodass wir alle an einem Ort bündeln werden. 

Wir wünschen Ihnen schon jetzt einmal viel Spaß!

Ihre Nordlichter!

Oberstehrenabend 2019







Fackelgruß 2019






Königsehrenabend 2019






Löhnungsapell 2019

Fixer. Das ist meine erste Assoziation, als ich den Raum betrete. Fünfzehn Mann sitzen da auf den Möbeln der Further Musikschule und schauen mich an, als ich mit dem 10L Fässchen Füchsen-Alt  zur Tür reinkomme. Nein, sie gucken nicht, sie gieren. Nicht nur auf den Stoff im Fässchen, sondern auch auf Schützenfest selbst. 

Wir haben uns eigentlich zum Löhnungsapell verabredet – aber was ich sehe, erinnert mich eher an Teilnehmer einer Methadon-Ersatztherapie als an kontrollierte Erwachsene. Das keiner lethargisch sabbert, ist ein Wunder. Naja, die Jungs wollen den guten Stoff, also kriegen sie ihn. Dass ich sie damit immer weiter in die Abhängigkeit treibe? Eigentlich finde ich das sogar geil. Also stell ich das Fass auf, leg das Gummi an - (Nie ohne! Bitte achtet auf euch!) bzw. in das Fass und packe das Spritz- -Pardon! Zapfbesteck aus. Langsam lege ich den gold-glänzenden Zapfhahn und das Kegfass-Ventil auf ein frisches Handtuch. Sorgfältig prüfe ich den Zustand der Instrumente für unseren Rausch. Nun fangen einige doch an zu sabbern. Na toll. „Aber ist ja nicht mein Boden“, denke ich mir und schreite zur Injektion. Der Rückschlag-Hahn wird angeflanscht und die Augen meiner Therapiegruppe weiten sich in freudiger Erregung über das, was gleich kommen wird. Anstich. Klack. Am Hahn drehen und den Stoff in ein Glas füllen. 

Zuerst kommt nur Schaum, aber auch der wird aufgehoben. Dann – endlich – Alt. Die Suchtis können ihr Verlangen kaum bändigen und scharen sich um mich und das Fass. Widerlich. Der Erste will sich direkt unter den Hahn klemmen. Aber das geht wirklich nicht. Da muss man durchgreifen. Das wäre auch für einen High-Doser wie ihn zu viel. 10 l. Und wenn er einmal darunter hängt, gibt er sich eh die ganze Dosis. Aber wir müssen den Stoff aufteilen. Auf viele Kehlen und Stunden. So ein Rausch braucht Planung. 

Wie dem auch sei, inzwischen habe ich für jeden seine erste Dosis vorbereitet, die die sich kein Alt drücken, bekommen „Nord Guld“ aus Schweden. Exportware, aber ungestreckt. 5,3%. Ich weiß schon, wie ich meine Suchtis abhängig halte. Apropos Sucht. Eigentlich geht es ja auch gar nicht ums Bier. Ich verliere mich einfach zu gerne in meinen Metaphern. Es geht ja ums Schützenfest. Aber nach den Ehrenabenden und dem Überraschungs-Fahnengruß an den Major in den letzten Wochen war ja ein Wochenende Pause. Der Level von „Kirmes“ in unserem Blut und unseren Köpfen hat stark abgenommen und muss erhöht werden. Und bald soll es ja auch soweit sein. Aber wie flutet man „Kirmes“ an (wie der Anästhesist sagen würde)? 

Als erfahrener Abhängiger habe ich da meine Strategie inzwischen optimiert. Für maximale Vorfreude und Genuss. Donnerstag schon frei nehmen. Ein Tag mehr zum Fokus. Donnerstagmorgen mit der Tante auf den AOK-Empfang des Schützenkönigs. Dabei die „Crème de la Crème“ des Schützenwesens (ein Gruß an dieser Stelle an André Uhr und Andreas Thiel!) und live Marschmusik sowie einige Sappeure in Uniform. Das ist ungefiltertes Schützenwesen und lässt mich schon ein wenig ruhiger werden. 

Ich merke, dass ich ein schlechter Dealer bin, denn ich bin selbst vollkommen abhängig. Egal, ich brauche das jetzt. Nach dem Empfang in die Stadt. Büro des Schützenvereins und Neusser Huthaus. Quasi die Hardware-Ticker des Regiments. Ghetto-Handschlag mit den Inhabern/Verantwortlichen und das Zeug holen. Das geht ungestreckt direkt an die Brust der Jungs am Sonntag. Als Captain bin ich nur der Enddealer. Diese Leute sind die Kirmes-Drogen-Barone. Genauso wie das Komitee. Mich trifft doch keine Schuld, ich denke nur noch bis zum nächsten Schuss -Pardon!- Schützen-Event. 

Nach dem Einkauf muss ich ernsthaft über Beschaffungskriminalität im Schützenwesen nachdenken. Nadeln werden ja schon mal geklaut. Auch Bier. Aber sonst ein eher seltenes Phänomen. Nach dem Einkauf noch ein Kaffee mit der Tante und dann zu Getränke Hilgers. Wenn man dem Geld folgt, kommt man immer zum Strippenzieher, wissen die besten Ermittler. Folge dem großen Geld (es geht nicht um die Beiträge) in Neuss und du gelangst zu den Wirten und Getränkemärkten. Im Kühlhaus Massen an Zeug. Fässerweise Freude. Ich merke, dass ich schwitzige Hände bekomme. „Komm schon, Patrick“, denke ich mir, „bring das hier sauber über die Bühne.“ Ich also die Fäßchen auf den Wagen gestapelt und zur Kasse. Halt, Gläser nicht vergessen! An der Kasse dann „Keine Kreditkarte“. Die wollen Bares sehen. Ich Amateur. Das hätte mir in dieser Branche doch klar sein müssen. Aber ich bin noch zu drauf vom Empfang. Ich muss mich konzentrieren. Okay, es reicht fast. 3 € fehlen. Mein Dealer in Gestalt der Kassiererin schaut mich an. „Na, lass mal gut sein, nimm es einfach mit“. Die wissen, ich komm eh wieder. 

Mit dem frischen Stoff dann zur Musikschule und hier schließt sich der Kreis. Nach dem ersten Bier gibt es Suppe von Curry Ink. Auch mein Mitticker Patrick hat „was“ klar gemacht. Und nachdem alle was geworfen haben (Bierdeckel mit Zuglogo! Peter kommt auch ins Business!) schauen wir uns die Logbücher der letzten Jahre an. Erkenntnis: Früher war mehr Lametta bzw. Videoeffekte. Und wir sahen jünger aus. Und hatten mehr Haare auf dem Kopf. So geht es noch eine ganze Weile hoch her. Mit meinem Vater, der meinen Konsum unterstützt und ihm auch selbst frönt, geht es spät in der Nacht heim. Wie soll das gut gehen?



Schützenfestsamstag 2019

Der Tag war heiß, der Trunk war kühl, im Westen sank die Sonne. Die Vorfreude lag in der Luft auf die Neusser Kirmeswonne. 

Wir Nordlichter begannen den Tag wie stets, mit Muskelkraft, denn die Fünfsterne-Kaserne wollte wie in jedem Jahr erst einmal errichtet werden. 
"Das Zelt steht", so schallte es dann aber doch von der Neusser Nordstadt in die digitale Welt hinaus und ich wusste: Es geht los. 

Wie manch einer bereits weiß, so sind die Nordlichter nicht nur nach innen gerichtet höchst umgängliche Burschen, nein, wenn das Corps sie ruft, so sind sie auch hier zur Stelle. Nicht anders heute, denn bevor der Wahnsinn der Tage der Wonne richtig losging, versammelten sich die Mannen der OA-Nordlichter erst einmal in den Hallen der Stadt, um dort - ungesehen von den Meisten - das zu tun, was getan werden musste: Die Stätte des Balles schmücken, die Musiker einweisen und auch das letzte Werbe-Bonbon an seinen Platz eskortieren. 

Nun denn, an diesem Punkt versank die Sonne noch nicht im Westen, nein, sie brannte hernieder und das unbarmherzig. In Brasilien brannte der Regenwald und ein Präsident des nördlichen amerikanischen Kontinentes dachte darüber nach, auch den Urwald in Alaska zum Freiwild zu erklären. 
Am Ende leiden immer die Schützen, denn es war heiß. Sehr heiß. Das Quecksilber in den Thermometern verdampfte und doch: Es sollte uns noch schlimmer treffen. 

Nun denn, der Stimmung sollte das alles erst einmal keinen Abbruch tun. Wir trafen uns wie gewohnt am RomaNEum, und tranken auf so allerlei. Eine schöne Schiffstaufe, frohe Weihnachten und ganz wichtig: einen süffisanten Rechenschaftsbericht. Ein Prosit, hässe jeck, krisse jeck, musse auch jeck jewen!

Als nun endlich die Nordlichter für diese Staffel der beliebten Serie "NBSF" vollständig versammelt waren, ging es - wie üblich - zur Totenreveille und zum Sternenmarsch. 
Dem ein oder anderen kamen noch kurze Eindrücke des vergangenen Tages, denn an diesem geleiteten die ehemaligen FTler unter uns einen alten Freund und ganz besonderen Kameraden auf seinem letzten Wege. Erst, wenn ein Schütze einen gestandenen Kameraden würdevoll um einen seiner Freunde weinen sieht, weiß er zu schätzen, was er an diesen so besonderen Tagen in Neuss hat. 

Lieber Uli, an dieser Stelle noch einmal einen ganz lieben Dank für all deine Anekdoten, Ratschläge und Eindrücke, die du mit uns so gerne und lebhaft geteilt hast. 
Niemand von uns wüsste dieses Fest richtig zu schätzen, wenn du einen Teil von uns nicht zu Beginn ganz maßgeblich geprägt hättest. 

Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern findst du nicht.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite

In gleichem Schritt und Tritt.

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Ein kurzer Moment der Einkehr, der Erinnerung an all die schöne Zeit und dann ist es in Neuss so Brauch: FREUT EUCH DES LEBENS! 

Ach, Freud und Leid liegen so nah beieinander. 

Nun also der Sternenmarsch, das altbewährte Abendessen in unserem so lieb gewonnenen Han Palas (der Lammspieß ist wirklich sehr zu empfehlen!) und dann - Tradition seit dem vergangenen Jahr - das Samstagskegeln. 

Kirmes, Kirmes, du des Neussers Freud' und Lust

Gewonnen hat das Kegel-Turnier im übrigen: ---- (Da verlässt mich mein Scharfsinn leider)

Es folgte der Fackelzug (über den an anderer Stelle noch ausgiebig berichtet wird - siehe die einschlägigen Medien wie WDR etc.), der in diesem Jahr - mal abgesehen von einem verzögerten Start durch ausgiebige, aber späte Abschleppaktionen der Stadt Neuss und einem Tambourcorps, dass uns erst einmal näher kennen lernen musste, bevor es auf Tuchfühlung ging - ganz besonders geschmeidig von der Sohle ging. 

Am Ende das allgemeine gute Nacht - Es würde am nächsten Morgen schon noch früh genung losgehen - und ganz wichtig: Ein Eis auf die Hand. 

Gut gelaunt und mit den besten Erinnerungen an dieses Jahr möchte ich enden, vielen Dank meine besten Nordlichter! 

im August 2019
Patrick A. 
der stolzeste Leutnant im Regiment. 



Schützenfestsonntag 2019



Schützenfestmontag 2019



Schützenfestdienstag 2019



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